Nach einem Cybervorfall alles wiederherzustellen, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern oft auch unmöglich zu bewerkstelligen. An dieser Stelle wird das Konzept der minimalen Recovery (Minimum Viable Recovery, MVR) wichtig: die Identifizierung und Priorisierung der kritischen Teilmenge von Geschäftsfunktionen, die für die Aufrechterhaltung des Betriebs während einer Krise unbedingt erforderlich sind.
Warum herkömmliche Recovery-Ansätze versagen
Wenn Unternehmen mit Cyberangriffen konfrontiert werden, stellen sie oft eine Diskrepanz zwischen ihren technischen Wiederherstellungsmöglichkeiten und den tatsächlichen Geschäftsanforderungen fest. Laut der Studie „Minimum Viable Recovery: Closing the Recovery Gap“, einem gemeinsamen Bericht von GigaOm und Commvault, fehlt 54 % der Unternehmen das Vertrauen in ihre Fähigkeit, sich nach einer Störung oder einem Cyberangriff wiederherstellen zu können – trotz erheblicher Investitionen in die Resilienz-Infrastruktur. Diese „Wiederherstellungslücke“ besteht vor allem deshalb, weil die Wiederherstellungsplanung in der Regel technologieorientiert und nicht geschäftsorientiert ist.
Bei herkömmlichen Wiederherstellungskonzepten wird oft versucht, alles wiederherzustellen, was zu Problemen führen kann:
Identifizieren Sie Ihre minimal lebensfähigen Geschäftsfunktionen
Der erste Schritt bei der Umsetzung eines MVR-Konzepts besteht darin, die Untergruppe der Geschäftsfunktionen zu ermitteln, die wirklich wichtig sind. Dies erfordert eine direkte Zusammenarbeit mit den Führungskräften im gesamten Unternehmen, um dies festzustellen:
Laut dem GigaOm-Bericht können Unternehmen, die einen geschäftsorientierten MVR-Ansatz verfolgen, das gleiche Maß an Risikominderung erreichen wie Unternehmen, die eine umfassende Wiederherstellung anstreben – allerdings schneller und zu geringeren Kosten. Der Schlüssel dazu ist die proaktive Einbindung des Unternehmens auf strategischer Ebene, bevor ein Vorfall eintritt.
Quantifizierung der geschäftlichen Auswirkungen: Über technische Kennzahlen hinaus
Um MVR effektiv umzusetzen, müssen Unternehmen über rein technische Kennzahlen (wie Systemausfallzeiten oder Wiederherstellungszeitziele) hinausgehen und sich auf geschäftsorientierte Messgrößen konzentrieren:
Schaffung eines geschäftsorientierten MVR-Rahmens
Der Aufbau eines wirksamen MVR-Konzepts erfordert eine strukturierte Methodik:
1. Abbildung der Unternehmensfunktionen
Zusammenarbeit mit Stakeholdern aus dem Unternehmen bei der Dokumentation und Abbildung wichtiger Geschäftsprozesse, einschließlich
2. Quantifizierung der Auswirkungen
Weisen Sie jeder Funktion Kennzahlen zum Geschäftswert und zu den Auswirkungen zu:
3. Abbildung von System- und Datenabhängigkeiten
Erstellen Sie technische Abhängigkeitspläne, die Geschäftsfunktionen mit der zugrunde liegenden Infrastruktur verknüpfen:
4. Gestaltung der Wiederherstellungssequenz
Entwicklung einer abgestuften Wiederherstellungssequenz auf der Grundlage der geschäftlichen Priorität:
5. Validierung und Prüfung
Erstellen Sie eine Testmethodik, die die Wiederherstellung von Geschäftsfunktionen validiert:
Fahrplan für die Umsetzung
Um MVR in Ihrem Unternehmen einzuführen, sollten Sie diesen schrittweisen Ansatz in Betracht ziehen:
1. Erkundung (Wochen 1–4)
2. Entwurf (Wochen 5–8)
3. Umsetzung (Wochen 9–16)
4. Validierung (fortlaufend)
Die wichtigsten Erkenntnisse
MVR stellt einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise dar, wie Unternehmen mit der Widerstandsfähigkeit im Internet umgehen:
Indem Sie sich auf das konzentrieren, was für Ihr Unternehmen wirklich wichtig ist, können Sie mit weniger Ressourcen, geringeren Kosten und größerem Vertrauen in Ihre Fähigkeit, Cyber-Störungen zu überstehen, eine effektivere Resilienz erreichen.
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Lesen Sie auch die anderen Blogbeiträge unserer Reihe über Cyber-Resilienz und Mindestlebensfähigkeit:
- Umfrage: Cyber-Recovery ist komplizierter als die Wiederherstellung nach einer Katastrophe
- Aufbau von Stakeholder-Abstimmungen für Cyber-Resilienz
- Der dringende Bedarf an Cyber-Resilienz
- Wiederherstellungstests: Das fehlende Element in den meisten Cyber-Resilience-Programmen